Für diesen Beitrag müssen wir einige Tage zurückgehen und uns den Klimax der Situation einmal verinnerlichen. Kurz gesagt: Evie hat wieder einige Infos zur neuen Edition gedroppt. Interessant ist hierbei vor allem die Entwicklung, wie es dazu kam. Also legen wir los mit einer kleinen Geschichte, gefolgt von den knallharten Infos zur neuen Edition und einigen nett gemeinten Worten an Modiphius.

Was war…

Wie in unseren Wasteland-News vom April berichtet, wurde nach der Adepticon-Demo auf YouTube auch ein offizielles Gameplay-Video veröffentlicht. Die Kommentare darunter sind gemischt, wobei sich einige kritische Stimmen darunter befinden. Diese kritischen Kommentare bleiben von offizieller Seite jedoch unkommentiert. Auch wurde kein Blogpost dazu veröffentlicht. Soweit, so gut.

Am 3. Mai 2026 wurde dann ein Aspekt des Gameplay-Videos – die allgemeine Bezeichnung von Gegenständen wie Pistolen oder leichten Rüstungen – auf Reddit diskutiert:

Nachdem ich mir das YouTube-Video von Modiphius mit der Gameplay-Vorschau angesehen habe, bin ich ziemlich enttäuscht von den generischen Namen, die einigen Gegenständen gegeben wurden. Hoffentlich sind das nur Platzhalter, die bis zum Release noch überarbeitet werden. Sicherlich werden sie in Zukunft neue Items herausbringen, die tatsächliche Fallout-Begriffe verwenden, aber es ist kein gutes Zeichen, dass dies die Version ist, die uns zum Release präsentiert wird. Gibt es irgendeine Bestätigung, dass wir es ab jetzt damit zu tun haben? Ich versuche wirklich, mich auf diese 2. Edition zu freuen …

Rowdy2012 auf Reddit

Dieser Post ist bei der Mehrheit (gemessen an den Kommentaren und Upvotes) wohl auf Zustimmung gestoßen. Ich fand diese Diskussion recht interessant – ebenso wie unser Communitymitglied Monkeysloth, der die Debatte dann in den Subreddit-Discord getragen hat. Hier hat Evie, die Lead Game Designerin, mit ihrem Privataccount (!) das erste Mal darauf reagiert:

Ich habe schon vermutet, dass das in einigen Lagern für Diskussionen sorgen würde. Aber letztendlich war einer der Gründe, warum die erste Edition so überladen und unübersichtlich wurde, die Flut an verschiedenen Waffen und Rüstungen mit einzigartigen Namen, die oft sehr ähnliche oder sogar identische Werte hatten.

Wir haben den Fokus weg von Dutzenden sehr spezifischen Gegenständen verschoben und stattdessen auf das modularere Upgrade-System gesetzt, an dem sich auch Fallout 4 orientiert.

Es gibt nicht mehr einen Haufen verschiedener Repetiergewehre, sondern ein Standard-Repetiergewehr, auf das verschiedene Upgrades kombiniert angewendet werden können. So kann man zum Beispiel ein Repetiergewehr mit Zielfernrohr und Schalldämpfer haben oder ein brutales Repetiergewehr mit Schnellfeuer oder was auch immer.

Dasselbe gilt für Rüstungen. Man kann eine normale Lederrüstung haben oder eine bleigefütterte Lederrüstung oder eine verstärkte Lederrüstung und so weiter.

Evie im Subreddit Discord

Das klingt auf den ersten Blick sehr gut, kriegt nur keiner in der eigentlichen Diskussion mit, sodass Monkeysloth auf Reddit Transferleistung erbringen muss:

Das Problem mit den Gegenständen der 1. Edition war, dass so viele davon im Spiel eigentlich sinnlos waren – es sei denn, man wollte unbedingt mit einem Deck aus Zufallsgegenständen spielen. Da es in jeder Kategorie eindeutige Spitzenreiter für den jeweiligen Kronkorken-Preis gab, hat man 80 % des Inhalts nie wirklich benutzt, wenn man die Wahl hatte.

Was die 2. Edition angeht, so liegt der Fokus nach dem, was wir aus den Discord-Fragerunden wissen, aktuell eher auf weniger Gegenständen, die man dafür aufrüsten kann. Das steht im Gegensatz zu einer Vielzahl an Items, die sich nur minimal unterscheiden und bei denen es echt schwierig ist, sie interessant zu gestalten.

Es gibt also nur ein Repetiergewehr, aber man kann Upgrades anwenden – genau wie in Fallout 4 oder 76 –, um ein Repetiergewehr mit Zielfernrohr und Schalldämpfer oder ein brutales Repetiergewehr mit Schnellfeuer zu bauen; bei Rüstungen ist es ähnlich. Sie planen zwar, über die Jahre weitere Gegenstände hinzuzufügen, aber es macht den Anschein, dass ihr Ziel ‚weniger Items, die dafür mehr Nutzen haben‘ ist.

Monkeysloth auf Reddit

Und hier startet ein inoffizielles „Ask Me Anything“ in einem inoffiziellen Discord, von einem privaten Account an ein kleines Auditorium. Ich fasse für unsere deutsche Community gerne die wichtigsten Punkte zusammen.


Weitere Details zur zweiten Edition

Werden alle verfügbaren Ausrüstungsgegenstände zum Release verfügbar sein?

Es wird zwar in zukünftigen Erweiterungen neue Ausrüstung eingeführt, aber größtenteils findet sich alles im Grundregelwerk/Referenzhandbuch. Zu einem späteren Zeitpunkt werden auch fortgeschrittene Ausrüstungsregeln, z.B. mehr Tiefe in die Power Armor hinzufügen.

Evie so: „Eine Kampfrüstung zu finden und dann die gesammelten Rüstungsverbesserungen wie ein Kind im Süßwarenladen durchzugehen, ist einfach fantastisch.“

Wird es legendäre Waffen/Ausrüstungen geben?

Ja. Einzigartige Waffen können im Ödland gejagt werden. Die erste davon bereits mit „Into the Wasteland“

Stein des Anstoßes: Wieso wurde dann nur von „Pistol“ geredet?

Dazu Evie: „Die Waffen der Gegner sind etwas weniger detailliert, um das Ganze einfacher zu gestalten. Plasmapistolen, Laserpistolen usw. sind zwar unterschiedlich, aber wir verwenden nur ein Profil für 10-mm- und .357-mm-Kaliber usw. Sie sind für die Spieler dennoch unterscheidbar.“

… und Light Armor?

Evie: „Es ist im Grunde eine Sammelbezeichnung für all die verschiedenen Rüstungen, die „schwerer als Kleidung, aber leichter als Leder/Metall“ sind. Ansonsten hat man nur viele zufällige Exemplare, die ein- oder zweimal auftauchen und dann nie wieder.“ und weiter „Ich habe mich hingesetzt und die Spieldateien von Teil 4 und 76 gründlich durchforstet, und die „leichten Rüstungen“ sind fast alle identisch, selbst in deren System, das viel mehr Varianz aufweist.“

Das interessante Zeug soll halt mit den Upgrades der Basisausrütung kommen. Es gibt auch eine Stufe an Kleidung, die unterhalb von Light Armor, aber über normalen Klamotten einzuordnen sind. Diese Ausrüstung haben zwar keine Basiswerte, können aber verbessert werden.

Wenn für die Gegner eher generische Ausrüstungsnamen verwendet werden, wie funktioniert denn das Plündern der Ausrüstung? Auf der Adepticon Demo wurde erwähnt, dass man Waffen an sich nehmen kann.

Das stimmt so nicht: Manche Gegner lassen bestimmte Gegenstände fallen, aber im Allgemeinen lassen Gegner ihre Waffen nicht fallen. In der Regel erhält man von Bossen Gegenstände und von Tieren (z.B. Radstags) Nahrung.

Das exzessive Droppen von Beutemarkern wurde probiert, aber war schon sehr fummelig und deshalb verworfen.

Wie viele verschiedene Token-Arten gibt es?

7 Tokens und 4 Marker: Tokens werden an Gelände oder Modelle angelegt und „existieren“ nicht auf dem Spielbrett; Marker sind Dinge wie Missionsziele, die eine eigene Präsenz haben. Ein Typ ist z.B. „Gefahr!“, dass Geländetypen oder Objekte kennzeichnet, die für einen schmerzhaft sein könnten (z.B. ein Geschützturm oder ein Auto, dass beginnt zu explodieren.) Man kann so das Gelände während der Partie verändern. Es wurde zwar noch nicht ausführlich getestet, aber es soll irgendwann möglich sein, Gebäude in Brand zu setzen, Chemikalien auf den Boden verteilen und so weiter…

Das gesamte Spiel ist ein modulares Framework…

Laut Evie ist Modularität in der zweiten Edition von zentraler Bedeutung. Er möchte sicherstellen, dass nach 8 Jahren das System noch spielbar und nicht so aufgebläht ist.

Sind die Objectives im Grunde genommen dieselben wie in Version 1.0? Searchables (für die ein Fertigkeitswurf erforderlich ist), Buchstaben und Zahlen – oder wurden diese ebenfalls überarbeitet?

Die Ziele richten sich nach der Quest, die gerade absolviert wird. Viele davon funktionieren in der Praxis auf die gleiche Weise, aber nicht alle.

Die Welt wird prozedual generiert (siehe auch Blog #4). Wie erfolgt die Ermittlung des Geländes für das Spiel?

„Set Pieces“ ist das Zauberwort: Jeder Ortstyp (See, Sendemast, Krater usw.) hat eine eigene „Set Pieces“-Tabelle und wenn man dort ankommt, würfelt man drauf um diesen Ort Leben einzuhauchen.

Beispiel: Zerstörte Felder
Platziere ein mittelgroßes Bauwerk innerhalb von 2 Zoll vom Zentrum des Schlachtfelds, sodass es sich über zwei Quadranten erstreckt. Platziere drei kleine Krater (Fläche, Schwierig) innerhalb von 2 Zoll vom Zentrum des Schlachtfelds, sodass sie sich über die beiden Quadranten erstrecken, in denen sich das Bauwerk nicht befindet.

Evie: Du kannst Tische erstellen, um den Ort ganz nach deinen Vorstellungen zu gestalten. Es handelt sich dabei lediglich um das Grundgerüst, also den mittleren Teil; den Rest des Spielfelds füllst du selbst aus. Dazu gibt es Tipps und Anleitungen, aber letztendlich liegt die Entscheidung ganz bei dir. Außerdem: Alle Set-Elemente im Grundregelwerk sind so konzipiert, dass sie mit dem im Karton enthaltenen Kartengelände kompatibel sind.

Gibt es irgendwelche Hardcore-Modi oder Events, die dich zu riskanten Missionen zwingen, um an Vorräte zu gelangen? Gibt es andere Mechaniken als Nahrung?

Eine spätere Erweiterung der ersten Welle wird sich diesem Thema widmen. Man kann im Moment darüber nicht sprechen.

Thema Nahkampf: Warum sollte man an den Gegner ran wollen, wenn man schießen kann. Was macht Nahkampf so besonders in der zweiten Edition?

Nahkampf wird in der zweiten Edition interessant, da der Nahkampfangriff die Bewegung inkludiert (also aktionseffizient). Spielercharaktere werden feststellen, dass Nahkampfwaffen im Allgemeinen wirkungsvoller sind als ihre Fernkampfpendants, und es gibt eine Reihe von Boni für Angriffe aus dem Lauf heraus usw. Es soll sogar eine neue Version des Battlecry geben, auch wenn dieser mit der alten Version nichts zu tun hat (aber damit kann man jemanden angreifen und z.B. von einem Gebäude stoßen)

Okay.. Battlecry…

Der neue Battlecry ist keine Fertigkeit mehr. Jeder kann ihn ausführen und bedeutet lediglich, dass du, wenn du bei einem Nahkampfangriff einen kritischen Treffer landest und angestürmt bist, das Ziel um eine Anzahl an Zentimetern zurückdrängen kannst, die dem verursachten Schaden entspricht. Anschließend kannst du, wenn du möchtest, dich kostenlos wieder in Basekontakt bewegen.

…und kombinierbar mit Waffen, die Rückstoß haben.

Evie: Und das lässt sich mit Rückstoßwaffen und anderen Effekten kombinieren. Dom spielte einen Supermutanten-Meister-Helden, der auf Rückstoß spezialisiert war, und hat die Gegner einfach quer über die Karte geschleudert. Zum Beispiel gibt es „Slam“, d.h. sollte ein Gegner durch den Rückstoß in ein Geländestück gedrängt werden und nicht weiter kommt, dann werden die übrigen Inches in schwarze Effektwürfel umgewandelt. Autsch!


Einige Worte aus dem Off:

(Vorsicht, eigene Meinung)

Das Hauptargument von Evie ist, dass wir ja noch gar nicht wüssten, was die zweite Edition bringt. Entsprechend frustriert ist sie darüber, dass die Leute so viel spekulieren. Wir – die „armen Fans“ – hätten ja keine Ahnung, welch großartiges System auf uns zukommt. Dies schreibt sie im Kreise ihrer Fanboys auf einem Subreddit-Discord. Aber muss sich die Lead Game Designerin von Modiphius hier nicht auch an die eigene Nase fassen?

Fallout ist eines der größten Franchises der Videospielgeschichte, sowohl was die kulturelle Wirkung als auch den kommerziellen Erfolg betrifft. Historisch gesehen hat Fallout (insbesondere die Interplay-Titel) entscheidend zur Entwicklung des westlichen Rollenspiels beigetragen. Es hat gezeigt, dass Spiele komplexe moralische Grauzonen und echte Entscheidungsfreiheit bieten können, statt nur Schwarz-Weiß-Szenarien. Das Franchise existiert seit 1997. Dass eine Marke über fast 30 Jahre hinweg nicht nur relevant bleibt, sondern stetig wächst, ist eine Seltenheit. Die Erwartungshaltung ist also hoch, dass das, was Fallout ausmacht, auch in der zweiten Edition von Wasteland Warfare zu finden ist. Und eines ist sicher: Ein S.P.E.C.I.A.L.-System allein reicht da nicht aus.

Natürlich dürfen Fans des Franchises ihre Gedanken und Kritik äußern. Wenn du – Evie – diesen aber nicht begegnest, öffnest du den Raum für Spekulationen. Ich finde, dass du bzw. das Modiphius-Social-Media-Team solche Dinge falsch angehen. Wenn man stolz auf seine Arbeit ist, sollte man nicht über einen Privataccount auf einem Dritt-Discord über Frustration sprechen. Man sollte stattdessen rausgehen, in den YouTube-Kommentaren direkt antworten und so die Kritik im Keim ersticken. Das PR-Team sollte sich mehr Zeit nehmen und sich rauswagen: Auf Reddit, YouTube und sogar in Facebook-Gruppen präsent sein und Kritikern direkt begegnen. Ich weiß, Kommentare können weh tun – insbesondere, wenn man viel Herzblut in ein Projekt gesteckt hat. Aber nochmals: Das Franchise ist viel größer als euer Ego. 🙂

Und Evie, das nächste AMA solltest du im offiziellen Discord durchführen. Dort erreichst du mehr Leute. Kommentiere auch auf Reddit, unter euren YouTube-Kommentaren etc. Geh in fremdsprachige Facebook-Gruppen! Im Jahr 2026 kann jeder Browser nativ Texte in die eigene Landessprache übersetzen. Ich kann sogar auf Deutsch in einer französischen Gruppe antworten und jeder versteht mich. Der einzige Mensch von Modiphius, der das scheinbar verstanden hat (oder nicht genug britische Arroganz besitzt), ist Chris Birch. Der CEO chillt bei uns in der deutschen Gruppe und antwortet hin und wieder sogar. Das macht keine Evie, kein Jamie und keine Sam. Ich bezweifle auch, dass man sich die Mühe macht, diesen Blogpost maschinell zu übersetzen – aber mir egal. Ich tue es, weil ich das Franchise liebe und eure Arbeit mag. Ganz einfach.

Falsch sind also nicht die Spekulationen, sondern euer Umgang damit.